Der Abriss
Als wir den Hof unser Eigen nennen konnten, wollten wir natürlich möglichst viel des vorhandenen Bestandes erhalten.
Beim alten Wohnhaus wuchs in uns nach und nach die Überzeugung, dass dieses weder schöne noch gut erhaltene Haus die Anstrengungen einer Renovierung nicht mehr wert sein könnte.
Links im Erdgeschoss war früher ein Kuhstall, dieser Teil begann leicht abzurutschen. Im Obergeschoss waren große Löcher in den Übergängen vom Dach zur Hauswand und Feuchtigkeit war in die Lehm-Stroh-Wände eingedrungen, was zu einem unangenehmen Geruch im ganzen Haus führte. Die Aufteilung der Räume war ebenfalls so wenig ansprechend, dass die Entscheidung uns davon zu trennen nicht allzu schwer fiel.
Im Sommer 2023 sind dann etliche Helfer von der SoBaWi zusammen gekommen um umwelt- und materialschonend zurückzubauen.
Den Dachstuhl hatten die Zimmerleute bereits fachmännisch abgebaut und so begannen wir motiviert, ausgerüstet mit Hämmern, Zangen, Brecheisen, allem was man so braucht und unserem unermüdlichen kleinen Traktor, Decken und Wände abzubauen und zu entsorgen.
Nach einer Woche harter Arbeit wird klar: Der Abrissfortschritt ist viel zu gering, wir müssen uns helfen lassen.
Zum Glück hat ein Abrissunternehmer aus der Nachbarschaft die Kapazitäten uns quasi sofort seinen größten Bagger mit Fahrer zur Verfügung zu stellen und innerhalb einer weiteren guten Woche macht der das Haus platt.
Wir sortieren währenddessen die Materialien auseinander und versuchen dem Chaos wenigstens ewas Einhalt zu gebieten.
Der Baggerführer beherrscht sein 30-Tonnen-Gerät so, dass er uns schöne sortierte Häufen in den Hof legt. Einen mit Holz, einen mit Lehm-Stroh-Gemisch aus den Zwischenwänden, einen mit Stahlträgern und einen mit Mauerschutt. Ihm zuzusehen wie er alles separierte erinnerte manchmal an Mikado ;-)
Bis der Boden aber komplett bereitet ist für den Neubau sind es noch etliche Stunden harter Arbeit, meist ist Steffen hier allein und schuftet unermüdlich in Haus und Hof.
Der Neubau
Im November 2023 waren die Planungen für den Neubau abgeschlossen, der Bauantrag konnte eingereicht werden.
Auf der Fläche des abgerissenen Altbaus sollte das neue Wohnhaus in fast identischen Ausmaßen errichtet werden.
Ein befreundeter Architekt hatte die Idee für dieses innovative neue Haus. Es besteht aus zwei Teilen. Getrennt durch eine Durchfahrt im Erdgeschoß, als Parkplatz oder auch Aufenthaltsbereich an wirklich heißen Sommertagen. Weiter oben ist dieses Atrium Treppenhaus, Gewächshaus und Aufenthaltsraum. Hier ist es sehr hell, da das Atrium mit Gewächshausfolie bespannt ist.
Im EG macht ein Anbau mit Flachdach die Wohnfläche großzügig, in der Nordhälfte entsteht hier unser Gemeinschaftsbereich, mit Küche, Waschküche und Gästezimmern.
Die Wohnungen darüber, im Obergeschoß und Dachgeschoß, sind von der Grundfläche kleiner, dafür gibt es im OG für beide Wohnungen einen Freisitz auf dem Flachdach, während die beiden Dachgeschoßwohnungen die Möglichkeit bieten den Spitzboden in die Wohnfläche mit einzubeziehen.
Die Dämmung der Außenwände besteht aus Strohballen, deren Beschaffung und Herstellung schon ein Abenteuer für uns alle war.
Freunde und Nachbarn haben mitgeholfen Ideen zu entwickeln, sie in die Tat umzusetzen, Material zu beschaffen und nie aufzugeben!
Die Strohballen werden innen mit Lehmputz über der Wandtemperierung versehen, die Außenwände sind mit Kalkputz und in Teilen mit einer Holzfassade versehen.
Wir verwenden, so gut es und mögich ist, natürliche Materialien zum Bau, Abdichten und Streichen bzw. Wetterfest machen unseres Hauses und Hofes.
Ende Januar 2024 waren alle benötigten Unterlagen, unter anderem die wasserrechtliche Genehmigung für den Bau einer Pflanzenkläranlage, bei der zuständigen Stelle. Am 24. April 2024 erhielten wir dann die Baugenehmigung und konnten mit den Fundamentarbeiten beginnen.
Ende Juli waren diese dann abgeschlossen und der Zimmermann konnte ans Werk gehen. Mit seinen drei Männern, einer tollen Vorarbeit mit dem Abrichten des ganzen Holzes und tatkräftiger Unterstützung durch uns begann am 19. August das Aufstellen der Holzständerwände, das Grundgerüst in dem später die Strohballen eingebaut werden sollten.
Nach zwei Tagen standen die Wände des Erdgeschosses, weitere 3 Tage später auch die Wände des ersten Stockwerkes - das war ein Kraftakt, den uns so niemand zugetraut hätte.
Ab Mitte September ging es an den Aufbau des Atriumdaches, doppelt bespannt mit Gewächshausfolie. Die beiden Dachseiten wurden pünktlich einen Tag vor dem geplanten Richtfest fertig.
Am Tag des Richtfestes brachten wir diese mithilfe des Krans und viel Fingerspitzengefühl von zahlreichen helfenden Händen an Ort und Stelle. So konnte das Richtfest am Abend des 20. Septembers mit zumindest einem Teil des Dachstuhls und vielen Gästen aus der Nachbarschaft gebührend gefeiert werden - ein großer Meilenstein war geschafft!






























